„You Begin“, aus: Margaret Atwood: Die Füchsin. Gedichte 1965-1995, hrsg. von Michael Krüger. München/Berlin: Berlin Verlag 2020. Übersetzung von Monika Rinck. In der Reihe „10 Minuten Lyrik“, Leuphana Universität Lüneburg 2022.

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Ulrike Draesner, Ulrike Steierwald und Aris Fioretos über Bewegungen im „Dazwischen“ in der Reihe „Übersetzen! Das Schreiber-Sofa im Bücherkubus“, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar.

In Vergils sechstem Gesang der Aeneis begegnen wir Charon, dem Fährmann und Übersetzer ins Totenreich. Ein grimmiger, schmutzig-struppiger Greis, der stumme, glühende Blicke schleudert. Eigentlich kein Typ, dem man seine Seele für die Überfahrt, für den Raum des Dazwischen, anvertrauen möchte. Und dennoch drängen die Schatten der noch nicht begrabenen Toten heran, um endlich dem Ufer der Lebenden zu entfliehen. In allen Kulturen wird zur Vorbereitung dieser Schwellensituation ökonomische Vorsorge betrieben, sei es in Form der Münze, die den Toten für den widerborstigen Fährmann als Tribut unter die Zunge gelegt wird, sei es durch Testamente für die sogenannte Nach-Welt oder das Gebet.

Im Mythos hingegen und in der in seiner Tradition und Transformation stehenden Literatur wird die Sprache zu einem wirkmächtigen Faustpfand fürs prekäre Zwischenreich. Die Literatur holt den guten alten Fährmann schon zu Lebzeiten in der unendlichen Spannweite zwischen Himmel und Abgrund, Ufer und Ufer ein. Denn Sprache ist Disponierung, ein Sich-ins-Verhältnis-Setzen vom einen zum anderen. Und sicherlich zählen das Schwimmen und Fliegen zu den schönsten wie gefährlichsten der zahllosen poetischen Aufholbewegungen in dieser Zwischenposition. Besonders spannend wird es, wenn sich die Dichter*innen selbst der Übersetzung des Übersetzens, also der literarischen Übersetzung aus der anderen in die eigene und der eigenen in die andere Sprache, widmen.

Drei Expert/innen fürs Schwimmen und Fliegen sprachen über Höhenflüge und Abstürze, Luftschlösser und versunkene Länder, das Sterben und die Kunst des Übersetzens.

30. Oktober 2021, 18.00 Uhr, in Präsenz!
Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung, Studienzentrum

Platz der Demokratie 4
99423 Weimar
Deutschland

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2019 jährte sich der Todestag des Schweizer Autors Hermann Burger zum dreißigsten Mal. In der Vorlesungsreihe „10 Minuten Lyrik. Der Dichtung eine Gasse“ (Leuphana Universität Lüneburg) antwortete ich Burger mit seinen eigenen  Worten und in der für seine Dichtung spezifischen logischen Konsequenz: „Aber du bist nicht tot.“  [Aus: „Der Stumme Bruder“, Rauchsignale – Lyrikanthologie von Hermann Burger, 1967]

In der Reihe „Konstellationen“ der Klassik Stiftung Weimar:  Vortrag über die Profilbildung von historischen Sammlungen unter dem Aspekt der Paradoxie offener Systeme. Das Kurzinterview im Anschluss des Vortrags (Reinhard Laube, Herzogin Anna Amalia Bibliothek) als Video : > Video

– so war das in­iti­ie­ren­de Kol­lo­qui­um für ein Pro­jekt über­schrie­ben, das 2018 im neuen Zentralgebäude der Leuphana Universität (Libeskind) sei­nen An­fang nahm. Ziel die­ses Künste und Wis­sen­schaf­ten trans­dis­zi­plinär zu­sam­menführen­den Pro­jek­tes ist ein di­gi­ta­ler „The­sau­rus li­te­ra­ri­scher Sprach­fi­gu­ren und Bild­be­grif­fe“, ein po­ly­di­men­sio­na­les Uni­ver­sal­mo­dell der sprach­li­chen Möglich­keitsräume der Kunst.
Teilnehmer/innen der ers­ten of­fe­nen Run­de wa­ren Nora Gom­rin­ger, Fe­li­ci­tas Hop­pe, Noémi Kiss, Li­li­an Robl so­wie Wolf­gang Kemp (Kunst­ge­schich­te), Yvon­ne Förs­ter (Phi­lo­so­phie), Ger­hard Lau­er (Di­gi­tal Hu­ma­nities), Bar­ba­ra Nau­mann (Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft), Ruth Neu­bau­er-Pet­zoldt (Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft), Eve­li­ne Good­man-Thau (Jüdi­sche Re­li­gi­ons- und Geis­tes­ge­schich­te), Achatz von Müller (Ge­schich­te) und Ul­ri­ke Stei­er­wald (Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft). Die fol­gen­de au­dio­vi­su­el­le Do­ku­men­ta­ti­on in 16 Tei­len ist nicht nur eine Einführung in das Pro­jekt, son­dern auch eine viel­stim­mi­ge Mo­du­la­ti­on des Bild­be­griffs HERZ und sei­ner Fi­gu­ra­tio­nen, in de­ren dy­na­mi­schen wie po­ly­va­len­ten Be­stim­mun­gen sich be­reits ex­em­pla­risch ers­te Rea­li­sie­rungsmöglich­kei­ten ei­nes The­sau­rus – d.h. ei­nes „Schatz­hau­ses“ – sämt­li­cher Fi­gu­ra­tio­nen und Bild­be­grif­fe in deut­scher Spra­che ab­zeich­nen.

Zur Dokumentation

In Erweiterung erschienen im Verlag Duncker & Humblot, 2016 >> Mehr

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Der niemals begonnene Beginn ist der Albtraum des Autors. Würde er sich schlicht in die mythologische Tradition der ewigen Wiederholung des schon Gesagten, schon Geschriebenen einreihen, wäre sein Selbstverständnis als Urheber und Schöpfer in Frage gestellt. Eine ,,Antritts“-Vorlesung hingegen gibt durch den Ritus des Antretens, des Eintretens in die lnstitution der Universität einen Rahmen vor. Mit den literarischen Entwürfen des Anfangs haben es die Schriftsteller/innen seit der Geburt des freien Autors im 18. Jahrhundert und der Loslösung von den traditionsreichen historischen Regelpoetiken schwerer. Die Antrittsvorlesung skizziert Strategien und Riten, die das erste, leere Blatt dennoch immer wieder füllen.

Die Leuphana Universität Lüneburg verlieh der Büchnerpreisträgerin und unzählige Male ausgezeichneten Autorin Felicitas Hoppe 2016 die Ehrendoktorwürde. Es stand also kein weiterer Preis auf dem Programm, auch keine Poetikvorlesung, kein Talk, kein Auftragswerk, keine PR-Tour für ein neues Buch. Es ging schlicht und einfach um Würde und Ehrung. Aber Wie ehrt man richtig? Noch dazu eine Schriftstellerin, die selbst über die Fragen der Ehre und Würde in ihren Werken gern reflektiert. Wir entschieden uns für eine Disputation ….

Felicitas Hoppe / Ulrike Steierwald: Wie ehrt man richtig? Laudatio und Dank. Anlässlich der Verleihung der Ehrenpromotion an Felicitas Hoppe, dies academicus am 6.7.2016. Leuphana Universität Lüneburg

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